Prof. Dr. Ina Schieferdecker
Matthias Heyde/ Fraunhofer FOKUS

Ina Schieferdecker fordert Ethikrat für Fragen der Digitalisierung 

News vom 18. März 2016

Welche ethischen Standards sollen für automatisierte Software und Systeme künftig gelten? Prof. Dr.-Ing. Ina Schieferdecker, ASQF-Präsidentin und Institutsleiterin vom Fraunhofer FOKUS, fordert am Rande der weltgrößten Digitalmesse »South by Southwest (SXSW)« im texanischen Austin die Gründung eines nationalen Ethikrates. Er soll die öffentliche Meinungsbildung zur digitalen Transformation begleiten.
»Die Entwicklung von Technologien muss durch einen offenen gesellschaftlichen Diskurs begleitet werden. Nur weil alles möglich ist, muss nicht alles ermöglicht werden. Es gibt zu wenig Diskussion darüber«, sagt Schieferdecker.

Zudem kritisiert die IoT-Expertin die Schere zwischen wissenschaftlicher Auseinandersetzung und politischer Debatte. Letztere hinke den Veränderungen in Technik und Gesellschaft hinterher. »Unter Wissenschaftlern ist die Debatte bereits im vollen Gange. In der Politik beginnt man gerade erst ein Bewusstsein für drängende Fragen der Systemsicherheit sowie ethische Fragen in automatisierten Systemen zu entwickeln. In die Betrachtung des digitalen Ökosystems müssen aber beide Seiten einbezogen werden. Dazu gehört auch die Frage der politischen Regulierung.«

Angesprochen auf die Frage nach Daten- und Systemsicherheit sagt Schieferdecker: »Vor uns liegt eine Herausforderung. Wir sind bisher vielleicht zu unstrukturiert mit unseren Daten umgegangen. Hier brauchen wir neben Standards und sicheren Netzwerkarchitekturen vor allem ein gesteigertes Bewusstsein für den Wert, die Nutzungsoptionen und die Kritikalität von Daten. Aber es ist nie zu spät, Dinge besser zu machen.«