Trends für die öffentliche IT

Meldung vom Do., 21. November 2013

Das Kompetenzzentrum Öffentliche IT (ÖFIT) präsentierte heute die »Trendschau« auf der gleichnamigen Veranstaltung in Berlin. Im Beisein der Staatssekretärin Cornelia Rogall-Grothe stellte ÖFIT maßgebliche IT-Trends vor: »Anything as a service«, das »Meer der Daten«, »drahtlose Sensornetze« sowie das »Internet der Energie«.

Berlin, 21. November 2013 – Trends entstehen aus dem Zusammenspiel von Technik, Wirtschaft, Wissenschaft, Politik und Gesellschaft. Um die Zukunft positiv zu gestalten, muss dieses Wechselspiel funktionieren. Je früher Trends erkannt werden, desto eher können Gestaltungsspielräume aufgezeigt werden. Die ÖFIT-Trendschau hat sich zum Ziel gesetzt, Entwicklungen mit Relevanz für die öffentliche IT zu identifizieren und zu bewerten. Hierbei wurde durch das Fraunhofer FOKUS ein Methodenbaukasten entwickelt, welcher unterschiedliche quantitative und qualitative Aspekte beinhaltet.

In dieser ersten Trendschau wurde ein mehrstufiges Verfahren angewendet. Dafür wurden in einem ersten Schritt mögliche Trends über die Analyse von 60.000 Beiträgen aus Fachzeitschriften der letzten zehn Jahre identifiziert. Hierbei kamen sowohl indikatorenbasierte Ansätze, wie die Analyse von Zeitreihen, aber auch strukturentdeckende Verfahren aus der Computerlinguistik zum Einsatz. In einem zweiten Schritt wurden dann mittels Interviews mit Expertinnen und Experten für öffentliche IT weitere vertiefende Analysen dieser Trends zur Extrapolation zukünftiger Entwicklungen, Chancen und Herausforderungen erstellt. Mittels dieses Ansatzes haben sich vier zentrale Trends herauskristallisiert:

Trend I:

Anything as a Service: Zukünftig werden IT-Leistungen in Form von Diensten (Services) erbracht. Anything as a Service (XaaS) kennzeichnet den Trend, dieses Prinzip auf alle IT-Leistungen zu übertragen. Dienste können dabei gebündelt und gemeinsam bereitgestellt werden. Ausprägungen von XaaS sind etwa Plattformen und Portalanwendungen zur Vermittlung von IT-gestützten Dienstleistungen in der Cloud. Auch Desktop as a Service gewinnt für den Arbeitsplatz der Zukunft an Bedeutung. Als Dienst bereitgestellte IT-Leistungen sind derzeit noch sehr heterogen und auch nur in wenigen Bereichen interoperabel. Daher ist die Harmonisierung und Standardisierung, insbesondere hinsichtlich Dienstgüte und Dienstbeschreibung, eine zentrale Aufgabe für die nahe Zukunft.

Trend II:

Das Meer der Daten: Im Zuge der fortschreitenden Digitalisierung fallen immer mehr elektronisch lesbare Daten an. Das Verarbeiten und Verknüpfen großer Datenmengen, deren statistische Analysen und daraus abgeleitete Vorhersagen sind dabei im Fokus aktueller Forschung. Die Idee von Big Data baut technisch darauf auf, dass große und unstrukturierte Datenmengen an mehreren Orten verteilt abgelegt und auch verteilt ausgewertet werden. Zusammen mit Cloud Computing und diensteorientierten Architekturen ergeben sich für die Analyse von Daten technische Möglichkeiten, deren Potenziale bisher nur ansatzweise ausgeschöpft wurden. Für die Interpretierbarkeit und Verknüpfbarkeit von Daten sind Metadaten eine wesentliche Grundlage. Der Bedarf an Standards für Metadaten wird weiter zunehmen. Auch die Datenqualität spielt bei heterogenen Daten und dem Zusammenführen großer Datenbestände eine immer wichtigere Rolle.

Trend III: Drahtlose Sensornetzwerke

Für eine automatisierte Unterstützung von Personen und Prozessen sind vielfältige, hochwertige Daten notwendig, aus denen benötigte Informationen zu jedem Zeitpunkt und an jedem Ort generiert werden können. Die drahtlose Vernetzung bei weitgehender Selbstorganisation kommunizierender Sensoren bietet hierfür eine Lösung: Sensoren als eigenständige Systeme arbeiten mit anderen Sensoren als verteiltes System zusammen. Sensoren sind »Sinne« der IT und ermöglichen die Durchdringung aller Einsatzgebiete. Die Möglichkeiten der Sensoren können über die menschlicher Sinnesorgane hinausgehen und sie erweitern. Fülle und Vielfalt an Sensordaten bergen das Potenzial höherer Genauigkeit bei der Beurteilung von Situationen. Besonders die »Smart City« erfordert Sensoren (die beispielsweise Umwelt- und Verkehrsdaten messen), Aktuatoren (die steuernd eingreifen; zum Beispiel bei Ampeln oder Schranken) und deren drahtlose Kommunikation über Wireless Sensor Networks.

Trend IV: Internet der Energie

Unter dem Begriff Smart Grid versteht man die intelligente Verknüpfung aller Energieverbraucher und -erzeuger in einem Netzwerk. Die Integration erneuerbarer Energien mit dezentraler Einspeisung führen zu einem Stromrückfluss, den es im früheren Stromnetz nicht gab. Der ehemals passive Verbraucher wandelt sich mitunter zum aktiven Marktteilnehmer – dem sogenannten »Prosumer« – der eigenen Strom erzeugt, den er selbst speichert und verbraucht oder aber in das Netz einspeist. Moderne IT unterstützt diesen Wandel. Der »intelligente Zähler« zur Verbrauchsdatenerfassung ist dabei nur eine der notwendigen Komponenten im Internet der Energie. Smart Meter bilden die Grundlage für die Einführung identitätsbasierter Messsysteme für Verbrauchsdaten.

Trends im Kontext – Experten und Ideen

Neben den Trendanalysen geben Experten in weiterführenden Kapiteln vertiefende Informationen zu Themen, welche mit den Trends in Verbindung stehen. Themen sind hier die digitale Selbstbestimmung, die wachsende Rolle »entfesselter Daten«, zukünftige Anforderungen an die IT-Sicherheit sowie das Internet der Energie und die Zukunft der intelligenten Fahrzeuge. Abgerundet wird die erste ÖFIT-Trendschau durch eine Zusammenstellung einzelner Thesen, welche blitzlichtartig eine Vielzahl weiterer aktueller Themen kurz einordnet und deren Zukunftspotenziale aufzeigt. Die breite Palette technischer Neuerungen reicht von Gesundheitsanwendungen über die Relevanz fortschrittlicher Netze bis hin zu Innovationen im Bereich Industrie 4.0 oder der sicheren und innovativen Bereitstellung multimedialer Inhalte. 

Trends und Strategien für öffentliche IT

Mit der ÖFIT-Trendschau leistet das Zentrum einen regelmäßigen Beitrag zur Diskussion über die Zukunft der Digitalisierung der Gesellschaft. ÖFIT verfolgt einen Gesamtinfrastrukturansatz mit dem Ziel, zunehmend komplexer werdende Infrastrukturen in allen Lebensbereichen miteinander zu vernetzen.

Fraunhofer FOKUS

Fraunhofer FOKUS entwickelt herstellerneutrale Lösungen für die IuK-Systeme der Zukunft. Das Berliner Institut erforscht, welchen Beitrag Information und Kommunikation leisten müssen, um das Zusammenleben komfortabler und sicherer zu gestalten und adressiert dabei wichtige Herausforderungen der gesellschaftlichen Entwicklung und der smarten Städte von morgen. Dazu zählen vor allem der Zugang zu Informationen, der nachhaltige und wirtschaftliche Umgang mit Ressourcen, vernetzte Mobilität und eine moderne öffentlicheVerwaltung. Im Rahmen seiner Forschungsarbeit schlägt Fraunhofer FOKUS Brücken zwischen Unternehmen, öffentlicher Verwaltung, Nutzern und Bürgern.